Hinnerksens Hof: Gretchen Bartel ist die "wahre" Kräuterfee.

Wer schon einmal die Serie „Der Landarzt“ gesehen hat, der kennt auch den ebenso kauzigen wie sympathischen Kräuterdoktor Alfred „Hinnerk“ Hinnerksen. Bereits seit 1987 verleiht Gerd Olschewski der Figur des Kräuterdoktors ihren wunderbar schrulligen, tollpatschigen und bauernschlauen Charakter. Verheiratet ist Hinnerksen seit vier Jahren mit Gertrud – verkörpert von Schauspielerin Franziska Troegner –, die sowohl ihrem Ehemann als auch ihrem Vorgesetzten mit liebevoller Strenge zur Seite steht.
In der Fernsehwelt leben die Hinnerksens auf einem großen Hof, in dessen Garten zahlreiche Kräuter gedeihen. In Wahrheit steht das beeindruckende Anwesen westlich der Schleistadt Kappeln – und ist das Zuhause von Gretchen und Hans-Jürgen Bartel. Ihr „Holländerhof“ in Wagersrott hat in den letzten gut zwanzig Jahren Fernsehgeschichte geschrieben. Im Schnitt drei bis vier Tage im Jahr machen Bartels Platz für das Kamerateam und dürfen miterleben, wie sich ihr Heim vorübergehend in Hinnerksens Hof verwandelt.

Der in seinen Ursprüngen 1635 errichtete Holländerhof ist das älteste noch bewohnte Bauernhaus in der Landschaft Angeln nördlich des Ostseefjords Schlei. Seit 1822 bewirtschafteten die Vorfahren von Gretchen Bartels den Hof: Sie selbst wurde 1934 als älteste von vier Töchtern in der Brautkammer des Reetdachhauses geboren. 1961 heiratete sie den Landwirt Hans-Jürgen Bartel, 1967 übernahmen die beiden den Hof als Eigentümer in sechster Generation, 1993 übergaben sie den Hof an ihren Sohn.
Doch unter dem mächtigen Reetdach leben auch heute noch die Altenteiler. Denn Gretchen und Hans-Jürgen Bartel fühlen sich dem historischen Hof nicht nur verpflichtet – sie lieben ihn auch. Und sie haben ihn in den letzten Jahrzehnten zu einem wahren Schmuckstück verwandelt. Zwei Bereiche des Anwesens machen dabei auch für Nicht-Landarzt-Fans einen Besuch in Wagersrott lohnend: das Heimatmuseum mit seiner volkskundlichen Sammlung und der großzügige Garten, der längst über die Grenzen des Region hinaus bekannt ist.

Den Garten in seiner heutigen Form legte Gretchen Bartel 1959 als Staudengarten an. Zu solchen Bauerngärten gehörten damals in Angeln traditionell auch die Rosensorten „Schneeweißchen“ und „Rosenrot“. Doch das war nur der Anfang: Inspiriert von der bekannten Rosenexpertin Gerda Nissen begründete Gretchen Bartel im ehemaligen Gemüsegarten eine Rosensammlung. Heute blühen in ihrem montags bis samstags öffentlich zugänglichen Gartenparadies mehr als 100 historische Angler Rosensorten.
Ebenso sehenswert ist auch das private Museum, das Gretchen Bartel und ihr Mann Hans-Jürgen im ehemaligen Wirtschaftsteil des Holländerhofs eingerichtet haben und in dem rund 3.000 Gegenstände des bäuerlichen Alltags vor 100 Jahren gezeigt werden. Insbesondere der frühere Arbeitsalltag der Frauen wird so vor dem geistigen Auge des Betrachters wieder lebendig. Denn was sich heute kaum noch jemand vorstellen kann: Bäuerliche Betriebe waren dereinst reine Selbstversorger. Harte Handarbeit war fast überall gefragt.
Auch auf dem Holländerhof wurden verschiedene Getreide und Gemüse angebaut. Kühe und Geflügel wurden gehalten. Es wurde gekocht, Holz und Torf zum Heizen gewonnen, die Wäsche geschrubbt und auf der großen Bleichwiese getrocknet. Für alle diese Tätigkeiten gab es Gerätschaften, die längst in Vergessenheit geraten sind – und die heute immer montags von 14 bis 16 Uhr (andere Termine für Gruppen nach Vereinbarung, Tel. 04641/2292) für 2 Euro Eintritt auf der Diele des Holländerhofs bestaunt werden können.
Auf Wunsch bietet Gretchen Bartel gegen Gebühr auch Führungen durch den Garten und das Museum an. Ein Angebot, das man nutzen sollte. Denn mit ihrem Witz, ihrem Charme und den vielen Geschichten – oder wie man im Norden sagt: Döntjes – drum herum wird jeder Besuch in Wagersrott zu einem unvergesslichen Erlebnis. Übrigens: Hinnerksens Kräutergarten gibt es hier auch. Doch im Vergleich zu den üppig blühenden Stauden und Rosen verblasst er doch ein wenig …
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